Jetzt müssen wir jungen Leute auch Verantwortung zeigen – Interview mit Holger Hummel

Holger Hummel ist seit 2016 Teil des verope-Teams und seit einem Jahr "Head of verope Mining", wo er mit seiner freundlichen, kommunikativen und mutigen Art Partner und Kunden für verope Spezialdrahtseile in aller Welt findet! Wir haben Holger Hummel gefragt, wie er das Thema Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit verope und der Stahldrahtseilindustrie sieht und welche Ansichten und Einstellungen er privat und beruflich hat.

Was ist dein beruflicher Werdegang bei verope – seit wann bist du bei verope und was genau machst
du dort?

Nach Beendigung meines Studiums als Maschinenbauingenieur habe ich eine Firma gesucht, die
mich bei meiner Bachelorarbeit betreut. In meiner Hochschule in Kaiserslautern bin ich auf eine Ausschreibung von verope gestoßen, habe mich beworben und dort meine Abschlussarbeit geschrieben.
Das war im April 2016 und dann, sechs Monate später, wurde ich als Mitarbeiter im Kundendienst übernommen.

Dort war ich bis 2020 tätig – also knapp vier Jahre. Ich bin viel um die Welt gereist und habe
Kund:innen in technischen Belangen unterstützt, Schulungen gegeben und alles rund um die Technik
betreut. Nebenbei habe ich intern bei Seiluntersuchungen unterstützt. Und seit Ende 2020 bin ich
sowohl technischer, als auch vertrieblicher Leiter für den Untertage- und Übertagebereich.

Es soll weitergehen – mehr nach vorne, als zur Seite und auf keinen Fall zurück. Das ist das Ziel.

Was sind deine weiteren Ziele bei verope?

Das Schöne an der Marke verope mining ist, dass wir eine ganz eigene und noch junge Abteilung
sind. Wir fangen ja gerade erst an, da stehen momentan in alle Richtungen alle Türen offen. Ich kann mein eigenes Team aufbauen, neues Personal gewinnen. Momentan denke ich da noch nicht jahresweit, wir bringen das Ganze erstmal zum Laufen. Mit allem, was wir bereits geschafft haben, haben wir da auf jeden Fall schon einen Grundstein gelegt. Man will ja immer weiter kommen. Ich möchte auf jeden Fall Verantwortung haben und meine Ideen – das ist das Allerwichtigste – mit einbringen und das Unternehmen voran bringen.

Und da bist du ja auch auf einem ganz guten Weg, wie ich das so mitbekommen habe.

Also, es ist besser, als ich erwartet habe, dass kann man schon sagen. Das freut mich sehr. Aber ich bin eher ein demütiger Mensch, der mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Ich gebe das, was ich kann und mache weiter.

Das klingt echt gut. Ich glaube auch, mit dir hat verope mining da auch jemanden gewonnen. Steigen wir mal in die Thematik ein: Nachhaltigkeit besteht ja aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten, auch wenn es heute zu einem Synonym für Umweltschutz geworden ist. Wenn du an Nachhaltigkeit
denkst, was fällt dir dazu ein? Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Wir haben uns ja schon mit dem Thema befasst. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass man eine
solide Basis schafft, auf der man aufbauen kann und was sich langfristig stetig verbessert. Da gibt es
so viele verschiedene Aspekte. Sei es die finanzielle Nachhaltigkeit – ein Fußballspieler, der im Alter von
18 bis 25 Jahren einfach Millionen verdient, legt sein Geld nachhaltig an und verwaltet sein Vermögen
klug, um seine Zukunft abzusichern. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch die Verminderung oder im besten Falle Abschaffung von Kurzlebigkeit. Ein Kaffee to go Becher, die Produktion von Neuplastik für einen Müllbeutel wären da einige Beispiele. Aber auch die Kurzlebigkeit von Anngestellten-Verhältnissen gehört da dazu. Die Kurzlebigkeit generell zu reduzieren, das ist für mich nachhaltig. Dass man sich vorhandene Strukturen mal genauer anschaut, hinterfragt und auch mal ändert. Vielleicht ist das auch eine Denkweise von mir als Ingenieur – ich war nie ein Fan vom Backstep, also etwas abschaffen. Ein großes Thema in den letzten Jahren war ja auch die Diskussionsfrage: Kohlekraftwerk oder AKW? Oder doch Verbrennungsmotor? Ich bin da nie für einen Wechsel, sondern immer für den Fortschritt. Wie kann ich etwas nachhaltiger machen, wie kann ich Technologien so entwickeln, dass sie weniger umweltbelastend ist? Und das alles immer unter den Aspekten: Es muss sozial sein, damit sich alle das leisten können, ökonomisch und ökologisch, es darf die Umwelt nicht belasten. Um es zusammen zu fassen: Kurzlebigkeit vermeiden oder wenigstens zu reduzieren und Fortschritt statt Rückschritt. Anfangen, statt sich über Verbote aufzuregen und neue Technologien zu entwickeln.

Was macht verope denn deiner Meinung nach schon ganz gut bei dem Thema Nachhaltigkeit?

Das ist ganz wichtig, dass man da sich selber auch mal kritisch hinterfragt: was macht verope denn
bei der Nachhaltigkeit schon richtig? Seitdem ich da angefangen habe, hat sich so viel getan in Sachen Mitarbeiter:innenschutz, in der Arbeitssicherheit wurden gewisse Standards gesetzt und weiterentwickelt, dass sind ja auch alles Themen für die soziale Nachhaltigkeit im Unternehmen.

Für mich fängt das schon bei dem Familienunternehmen an. Dieses stetige Weitergeben und weiterentwickeln.

Da kann ich jetzt natürlich nur für mich sprechen, aber für mich ist die soziale Nachhaltigkeit, was das Personal angeht, wirklich sehr gut bei verope. Immer, wenn ich nach etwas gefragt habe, wurde mir das erfüllt – sei es Gehaltserhöhungen, Sonderregelungen für den Moment, egal was, ich wurde immer angehört und es wurde immer gemacht. Und das ist leider überhaupt nicht selbstverständlich.

Nachhaltigkeit ist aber generell auch ein schwieriges Thema. Soll man jetzt Wasser sparen und seinen Papierverbrauch reduzieren? Ich sehe meine Aufgabe in der Entwicklung. Und da lebt verope intuitiv schon Nachhaltigkeit, in ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten. Wir sind eine dreckige Branche, dass ist einfach so, da braucht man auch nichts beschönigen. Stahl, Kohle, dass sind einfach schlechte Produkte, was die Umweltbilanz angeht. Umso wichtiger sind dann Leute wie Marco Elig und sein Team, die bei KV R&D z.B. nachhaltige Schmiermittel entwickeln. Da hatte ich neulich auch eine schöne Begegnung, als es um die ISO 14001 Zertifizierung ging, da hat der Zertifizierer klar zu uns gesagt: „Ihr macht schon so viel so gut, ihr müsst es nur noch auf das Papier bringen.“ Aber man kann immer mehr machen und ich finde, dass sollte auch der Anspruch von verope sein. Wir starten auf einem guten Level, aber wir können uns immer weiterentwickeln.

Ich erinnere mich auch noch an die Diskussion, was für Eingriffsmöglichkeiten verope hat. Und wenn
ich mich richtig erinnere, hat verope nur Spielraum beim Transport von den Seilen?

Es muss alles in Relation betrachtet werden. Wir können unsere Wertschöpfungskette schlecht Beeinflussen, aber in unserer Branche schauen, dass wir es gut machen. Und wir können das auch noch besser machen.

Das ist korrekt. Wir haben unsere Produktionsstätte in Korea sitzen. Das kann man jetzt auch nicht einfach so ändern. Und es bringt auch nichts zu sagen: „Wir warten immer, bis der Container voll ist und schicken das Schiff erst dann los!“, weil das wäre green washing. Auch wenn wir das der Produktionsstätte so mitteilen, würden die entweder das Schiff trotzdem schon losschicken oder der oder die Kund:in beschwert sich, weil nach drei Monaten immer noch nicht das Seil da ist. Dann wird die Bestellung storniert, dass ist dann wiederum auch keine ökonomische Nachhaltigkeit. Es geht viel um Balance, die geschaffen werden muss. Eine Relation zwischen den ganzen Aspekten der Nachhaltigkeit. Wie du so schön einleitend gesagt hast, für die meisten Menschen ist Nachhaltigkeit Umweltschutz. Das ist aber nicht ganz richtig, es geht um viel mehr. Was bringt es mir ein Holzstuhl, der vielleicht nachhaltiger ist als ein Kunststoffstuhl, von dem ich nach sechs Wochen Rückenschmerzen bekomme, dann womöglich noch ausfalle und mir meinen Rücken damit kaputt gemacht habe?

Ja und da ist ja auch Kiswire, zumindest wirkt es so, ein sehr gutes Unternehmen, was die Nachhaltigkeit angeht.

Das ist ja auch eine ganz neue Fabrik mit den neusten Maschinen. Die haben natürlich einen viel
besseren Wirkungsgrad als die alten Maschinen. Die sind da wirklich auch an dem Thema dran – alles
natürlich bis zu einem gewissen Grad und unter Beachtung aller Nachhaltigkeitsoptionen.

Du bist ja auch sehr viel unterwegs und hast direkten Kontakt mit euren Kund*innen – hast du das
Gefühl, dass da auch schon vermehrt auf Nachhaltigkeit geachtet wird oder spielt in der Branche keine
große Rolle?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es so viele unterschiedliche Länder mit sehr unterschiedlichen
Kulturen sind. In Zentraleuropa, Länder wie Österreich, Schweiz, Deutschland, Skandinavien,
… sieht es sehr gut aus. Das Land, was ich am meisten bereise, ist Südafrika. Ich fühle mich dort sehr wohl, ich mag das Land, die Kultur, aber die haben da ganz andere Probleme. Da werden Gummireifen verbrannt, um ein warmes Haus zu bekommen. Und das muss man natürlich auch kritisch betrachten. Da geht es erstmal um soziale Gerechtigkeit, um Korruptionsbekämpfung. Schaut man sich zum Beispiel ein Unternehmen an wie Glencore. Das ist der größte Mineralerzerzeuger der Welt, die machen Billiarden Umsätze. Und haben einen wirklich sehr schlechten Ruf, vergleichbar wie Nestlé. Nur ist Glencore zehnmal schlimmer, die nehmen unberührtes Land und graben alles um, Milliarden Kubikkilometer an Erde werden ausgehoben, nur um uns Schmuck an Hände und Ohren zu
geben. Was Umweltschaden angeht, sind die die Nummer Eins. Aber was soziale Nachhaltigkeit und
den ökonomischen Aspekt angeht, sind sie Vorreiter. Sie bauen Krankenhäuser, Schulen, kümmern sich
um die Bildung, medizinische Versorgung und alles. Wenn man das betrachtet, denkt man sich: Wow,
ein super Unternehmen! Aber was sie der Umwelt antun, ist wirklich ganz fatal für den Klimawandel.
Und das ist eine unmöglich zu beantwortende Frage: Sagst du, ok, den Menschen geht es jetzt besser,
die haben Bildung und medizinische Versorgung – und das ist eben der Preis, der dafür gezahlt wird?
Oder sagst du, hört auf und nimmst in Kauf, dass 150.000 – 200.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und eben nicht mehr Krankenhäuser und Schulen baust? Es ist wirklich super schwer. Ich würde mir wünschen, dass jeder, der sich damit beschäftigt, alle Aspekte sieht. Ich bin absolut ein Befürworter von Klimaschutz, aber für die Leute, die etwas entscheiden, ist es super schwer. Und das bekomme ich natürlich auch erst mit, seitdem ich hier vor Ort bin.

Ja, es ist sicherlich für manche Branchen schwieriger, Nachhaltigkeit zu leben.

Auf der anderen Seite muss einer auch einfach mal starten. Das ist auch wichtig. Aber ich merke ja selbst wie innerhalb von Deutschland so viele Gruppierungen entstehen. Es wäre viel löblicher, wenn
alle an einem Strang ziehen, statt sich gegenseitig zu verurteilen. Ich bin Radfahrer, esse gesund, lasse
das Auto stehen, ich will auch kein Plastik und unnötige Verpackungen, aber ich persönlich glaube nicht,
dass man gewinnt, indem man sich auf die Straße mit Chemiekalienkleber klebt und die Leute die Straße aufstemmen müssen. Das ist nicht nachhaltig in meinen Augen.

Damit bin ich auch schon bei meiner letzten Frage angekommen: Denkst du, dass ein Nachhaltigkeitsteam bei verope entstehen könnte?

Now we young people also have to show responsibility and take action.

Ja, ich denke, dass wir das in Zukunft bekommen werden. Das ist nur eine Frage der Zeit. Spulen
wir mal 70 Jahre zurück – da hat noch niemand etwas von einer Gleichstellungsbeauftragen gehört. Oder von einer Vertrauensperson in der Schule. Das kam ja auch alles mit der Zeit. Und genau so wird das mit der Nachhaltigkeit ablaufen. Es wird hoffentlich bald normal sein, einen Nachhaltigkeitsbeauftragten im Unternehmen zu haben. Vielleicht wird es auch Pflicht ab einer gewissen Größe. Ich finde das eine gute Sache. Wir sind auch jetzt in einer Generation, wir haben den Gedanken an die Nachhaltigkeit total verankert. Ich brauch für meine Äpfel keine Plastiktüte. Das sieht bei der Generation von meinem Vater z.B. noch ganz anders aus. Vielleicht ist das auch eine Aufgabe für einen Nachhaltigkeitsbeauftragten: Die Generationen zusammenführen. Wenn ich schon meine Tochter anschaue, die vegetarisch lebt, seit sie vier Jahre alt ist und nur in Unverpacktläden geht, ich finde das super toll. Und das ist auch total in der Generation drin. Die nächste Generation kann das wahrscheinlich noch besser als wir, die gendert dann auch schon richtig und haben alle einen Nachhaltigkeitsbeauftragten. Verope wird das auch bekommen, weil verope in solchen Sachen immer einen Schritt voraus sein möchte. Und wenn man sich unsere Unternehmensgröße anschaut, machen wir vieles schon sehr gut.

Ja, absolut, das stimmt. Das Gespräch mit dir tat richtig gut, es ist schön zu hören, wie viele Gedanken
ihr euch macht! Das bekommt man ja von außen auch nicht immer so mit.

Es ist aber auch eine schwierige Branche für das Thema und es ist auch nicht immer leicht für alle
Leute. Gerade für die ältere Generation. Es gab auch viel Gegenwind für die verope mining Initiative, viele hätten sich das nicht getraut, was wir uns getraut haben. Und ich kann nur sagen: Das Risiko hat sich gelohnt. Wir bekommen so viel positives Feedback von Händlerinnen, von Kundinnen, die finden das cool und erfrischend für eine Branche, die manchmal alt und eingestaubt wirkt. Jede Person im Unternehmen, die etwas dagegen hatte, habe ich zwei Minuten gegeben, um mir die Einwände zu erklären. Ich habe das konstruktiv abgenickt und wir sind weiter unseren Weg gegangen. Und das war alles richtig so. Jetzt müssen wir jungen Leute auch Verantwortung zeigen und anpacken.

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Das freut mich. Manchmal prallen hier auch Welten zusammen, auch zwischen eurem und meinem
Team, da freut es mich um so mehr, dass wir da trotzdem auf einer Linie sind, vieles gleich sehen und
uns unterstützen. Ich danke dir!

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