Interview mit Thierry Verreet

Thierry Verreet ist seit einem Jahr Geschäftsführer der verope AG, kennt aber die Arbeit mit und um Spezialdrahtseile seit seiner Kindheit. Trotz seines jungen Alters führt er das Unternehmen mit viel Ruhe und Erfahrung und beschäftigt sich natürlich täglich mit dem Thema Nachhaltigkeit! Wir hatten die Möglichkeit, ein Interview mit ihm zu führen und so Einblicke in die nachhaltige Zukunftsplanung von verope zu erhalten.

Anke Westphal: Herr Verreet, wie ist Ihr beruflicher Werdegang bei verope?

Thierry Verreet: Ich habe bereits während der Schulzeit bei meinem Vater Akten sortiert und dann nach dem Abschluss die Konfektionierung von Spezialdrahtseilen bei einem unserer Händler über 6 Monate erlernt. Diese Fähigkeiten habe ich dann während meiner Studienzeit immer wieder während der Semesterferien zum Besten gegeben. Meine erste Station als „fester Bestandteil“ von verope war dann das Projektmanagement der verope Service Center GmbH (VSC). Im September 2018 habe ich die Geschäftsleitung von der KV R&D Center GmbH übernommen und seit November letzten Jahres bin ich sowohl Geschäftsführer im verope Service Center als auch, gemeinsam mit Herrn Elig, Geschäftsführer bei KV R&D.

Ganz schön große Aufgaben!

Es ist schon viel zu tun und viel Verantwortung, aber es macht mir sehr viel Spaß, muss man dazu sagen.

Sehr gut! Nachhaltigkeit ist zurzeit ein wichtiges Thema – Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie ganz persönlich?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen. Nachhaltigkeit muss aber auch in unserem Unternehmen auch mit den rein wirtschaftlichen Zielen vereinbar sein.

Also klar gesagt: Wir wollen deutlich bewusster mit unseren Ressourcen umgehen.

Wir wollen das Thema der Nachhaltigkeit sehr hoch im Unternehmen aufhängen, aber wir müssen natürlich alle Maßnahmen, die wir hier umsetzen, vor dem Punkt der Wettbewerbsfähigkeit betrachten. Es geht also auch darum, dass wir uns täglich Gedanken machen, wie wir im kleinsten und größten Maße gewisse Dinge umstellen können, die der Umwelt gut tun – oder wie wir unseren Verbrauch von gewissen Ressourcen vermindern können.

Das fängt damit an, dass jeder Mitarbeiterin sein Wasser, welches er umsonst erhält, auch leer trinkt, statt den Rest in der Flasche zu lassen oder wegzuschütten. Es geht weiter mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Firmenfahrzeugen, Reisetätigkeiten, aber auch in der Produktion und Konfektionierung. Weil wir hier mit sehr großen strom- und gasverbrauchenden Maschinen arbeiten, wollen wir in diesem Bereich ganz besonders darauf achten nachhaltiger zu werden und diese Maschinen entsprechend einzusetzen. Also klar gesagt: Wir wollen deutlich bewusster mit unseren Ressourcen umgehen.

Was macht verope Ihrer Meinung nach schon ganz gut bei dem Thema? Ich weiß, Sie beziehen Strom aus Photovoltaiganlagen – was macht verope denn noch?

Ja, wir haben Photovoltaik Anlagen, das ist eine Sache. Mit vielen Lieferant:innen haben wir vereinbart, dass unsere Holzhaspeln nach Möglichkeit wieder zurückgesendet werden und somit so oft wie möglich wiederverwendet werden.

Außerdem verzichten wir bei vielen Händler:innen und Kund:innen bereits auf Verpackungsmaterialien und wollen das in Zukunft noch mehr ausweiten. In der Vergangenheit war es üblich die Haspel mit schwarzer Folie zu umwickeln, um die Seile vor äußeren Einflüssen, speziell vor Wasser, zu schützen. Das hat sehr viel Verpackungsmüll verursacht. Das wurde bei den meisten Kund:innen jetzt abgeschafft und diesbezüglich haben wir durchweg positive Resonanzen bekommen und wurden bei der Umsetzung sehr unterstützt.

Für kommende Firmenfahrzeuge wählen wir Hybrid oder Elektrofahrzeuge aus. Beim Neubau möchten wir großflächig Photovoltaik Anlagen auf dem Dach anbringen und die vorhandene Anlage ausweiten. Bei unserem Neubau hier im Service Center wollen wir ein alternatives Heiz- und Stromsystem finden.

Bei unserem Neubau hier im Service Center wollen wir ein alternatives Heiz- und Stromsystem finden

Die vielen ungenutzten Grasflächen rund um das VSC möchten wir als Blumenwiesen bepflanzen. In Zukunft wollen wir keine Dieselgabelstapler im Unternehmen nutzen, sondern Elektrogabelstapler. Bis auf einen haben wir das schon komplett umgesetzt. Von der Verkaufsseite her haben wir das Thema „direct shipments“ sehr vorangetrieben. Das vermindert den CO2-Fußabdruck unserer Produkte enorm, wir schicken die Seile nicht erst ins VSC, sondern direkt von der Produktionsstätte zu den Kund:innen. Durch die Installation neuer Wasserhähne im Unternehmen muss der Getränkelieferant nicht mehr Wasserflaschen liefern, sondern jeder Mitarbeiter:in bekommt von uns zwei eigene Flaschen zum Auffüllen. Momentan überprüfen wir auch unseren Papierverbrauch und würden diesen gerne noch weiter reduzieren, im besten Fall sogar komplett papierlos funktionieren.

Das klingt für mich so, als ob verope an jeder Stelle, an der es Handlungsspielraum gibt, eingreifen möchte.

Auf jeden Fall. Wir haben zum Beispiel auch eine Vielzahl biologisch abbaubarer Schmiermittel getestet, die wir unseren Kund:innen anbieten. Aber das ist aufgrund des höheren Preises im Vergleich zu herkömmlichen Schmiermitteln auch schwierig, da gibt es teilweise nur eine bedingte Bereitschaft.

Ich erinnere mich an den Termin im Januar, bei dem es um die ISO-Zertifizierung ging. Da ging es um die Frage, wo verope eigentlich Handlungsspielraum hat. Soweit ich mich erinnere, war das hauptsächlich im Bereich des Transports.

Auch da sind wir mit unseren Partner:innen im Gespräch, wir wollen ein weiteres Werk in Europa aufbauen und so die Transportwege für den europäischen Markt extrem verkürzen.

Ist es Ihrem Empfinden nach so, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Branche immer mehr eine Rolle spielt oder kann man das so pauschal nicht sagen?

Ich empfinde das durchaus so, insbesondere in Europa, aber auch weltweit. Bei vielen unserer Kunden, spielt dieses Thema eine zentrale Rolle. Bei mehreren ist Nachhaltigkeit auch ein wichtiges Thema bei der bei der Bauma 2022. Viele unserer Kunden haben mir berichtet, dass das Thema auch in ihrem Arbeitsalltag immer präsenter wird – Ein Kunde hat mir mitgeteilt, dass Sie das erste Mal in Ihrer Firmengeschichte von ihren Kundinnen zum Thema Nachhaltigkeit bewertet wurden und sich vor dem Hintergrund jetzt noch intensiver mit dem Thema beschäftigen wollen, weil sie sich selbst eingestanden haben, dass es in dem Bereich sehr viel Handlungsbedarf gibt. Mein Eindruck ist generell, dass das Thema weltweit immer präsenter wird. Natürlich kommt das Thema zuerst bei den Größeren in der Industrie auf. Meiner Meinung nach ist bei großen Kranherstellerinnen schon präsenter und wird intensiver behandelt als bei kleineren Distributoren, die lokal agieren. Da merkt man Unterschiede. Generell ist es aber in der Industrie angekommen. Auch bei direkten Konkurrent*innen von uns passiert schon viel in dem Bereich.

Ja, zum Glück ist es ein großes Thema, mittlerweile leider ja auch sehr wichtig. Können Sie sich vorstellen, dass es bei verope dafür ein spezielles Team geben wird? Zum Beispiel einen Nachhaltigkeitsbeauftragten?

Wir haben das zunächst Managementsache gemacht, da die Managementmitarbeitenden der einzelnen Tochterunternehmen natürlich viel effektiver die Hebel bedienen können als sonstige Mitarbeiter*innen. Aber in Zukunft können wir uns vorstellen in diese Richtung personell aktiv zu werden und diesen Bereich mit der Zeit weiter auszubauen.

Haben Sie zum Schluss noch ein paar Beispiele für verope in Zahlen? Oder noch abschließende Anmerkungen?

Ich weiß aus dem Kopf, dass wir ca. 33% unseres Strombedarfs mit der Photovoltaikanlage hier im VSC speisen. Unser Ziel ist es da vollkommen autark zu werden. Wir erschaffen mit dem neuen Werk 5300qm Dachfläche, auf der wir vollumfänglich Photovoltaikanlagen planen.

Unser Ziel ist es da vollkommen autark zu werden.

Für diese wollen wir zusätzliche Energiespeicher erwerben, um die erzeugte Energie zu speichern. Aktuell haben wir noch das Problem, dass tagsüber die Anlagen den Strom komplett in unser System einspeisen, aber nach Hauptbetriebszeiten, wenn die Mitarbeiter, welche nicht im Schichtbetrieb arbeiten im Feierabend sind, wir den Strom für wenig Geld ins öffentliche Netz einspeisen, und den am nächsten Tag für viel Geld zurückkaufen müssen. Das wollen wir im Zuge des Neubaus mit Energiespeichern verhindern und so vollkommen autark werden, was Strom angeht.

Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das schöne und informative Gespräch!

Vielen Dank auch von meiner Seite.

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